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Samstag, 3. März 2007

Fröhliche (verspätete) Biwak Anekdoten

So wieder eine Woche rum, seit dem letzten Post, dabei hab ich mir solche Mühe gegeben und noch am Samstagabend den nun gleich folgenden Beitrag geschrieben und damit auf wichtigen Schlaf verzichtet. Aber das Schicksal wollte es anders und bescherte mir mal wieder technische Problem. So kann ich euch den Post vom 25.2. leider erst heute präsentieren.
Ich werde versuchen morgen vor meiner Abreise noch über das Biwak der letzten Woche zu berichten. Aber nun erstmal viel Spaß mit den "ollen Kammellen".

Ich bin inzwischen ja wieder mehr oder weniger gesund, wenn man von einer leichten Verrotztheit am Morgen und noch hin und wieder auftretenden Halsschmerzen absieht. Und so bin ich letzten Mittwoch wieder in meine Einheit gefahren. Dort sollte ich dann auch diereckt, nachdem ich einen weiteren Arztbesuch (ja ich habe wieder fast eineinhalb Stunden warten müssen) hinter mir hatte, meine Sachen packen um zum Schießbiwak verlegen zu können. Ich muss jetzt aber doch sagen, der Begriff Biwak ist in der Beziehung etwas verwirrend. Denn wir haben dort nicht im Zelt sondern auch in einer Kaserne genächtigt. Das Einzige, was an Biwak erinnert hat, waren die Mahlzeiten. Es war mal wieder Bigpot-Zeit angesagt.
Der Grund für das Verlegen der Kompanie waren die vielen Schießübungen. Und damit wir diese Woche nicht jeden Tag mit dem Bus knapp 2 Stunden zum Truppenübungsplatz fahren müssten, wurde einfach die ganze Kompanie dahin verlegt.
Nur leider hab ich beim Packen diese ganze Biwak Geschichte auch nicht ganz geschnallt und etwas die falschen persönlichen Dinge eingepackt. Z.B. keinen Schlafanzug. Ich dachte irgendwie ja, dass wir im Schlafsack schlafen werden. So musste ich dann in Schlumpftarn, dem BW-Sportanzug, schlafen.
Für mich war das Biwak nochmal anders, da ich vom Arzt nicht voll dienstfähig eingestuft wurde (wie gesagt bin ich ja immernoch nicht ganz gesund). Mein Status während des Biwaks war "innendienst" = nur Dienst in beheizten Räumen. Hier bei der Bundeswehr ist es aber irgendwie so, dass man nicht sagt "hmm... innendienst... sie sind wohl noch nicht ganz gesund. Na dann erholen sie sich mal, damit sie möglichst schnell wieder fit sind." sondern eher etwas wie das "Innendienst!? Reißen sie sich mal zusammen! Naja wir werden sie schon anderweitig beschäftigen können." In meinem Fall hieß das so: "Schmidt-Hackenberg, sie melden sich morgen früh um 5 bei der Küche. Sie sind morgen der Küche zugeteilt."
Tja. Da hab ich mich aber gefreut noch früher aufstehen zu dürfen, als normal.
Zum Glück war noch einer meiner Kameraden auch halb krank und damit auch der Küche zugeteilt. Wir verbrachten unseren Tag in der Küche damit Lunchpakete für knapp 200 Soldaten zu packen und knapp 1000 Thermen, eine Art Große Thermoskanne, in der man je nach Bauart Getränke oder Bratwürste, Kartoffelpüree, Sauerkraut, oder sonstige Speisen, warmgehalten transportieren kann, zu Spülen. Das hat Spaß gemacht. Fast so viel Spaß wie 190 Pakete mit 5 Wurstscheiben zu packen.
Zwischendurch wurde unser Tag durch Schießübungen aufgelockert. Ja obwohl wir innendienst geschrieben waren, fuhren wir raus auf die Übungsplätze um wichtige Übungen nachzuholen. Wir holten zum Beispiel das Schießen mit der P8 nach. Dazu kann ich nur sagen, dass diese Waffe echt einen Schlimmen Rückstoß hat. Und da ich immernoch etwas nebenmir stand, hab ich mich sehr doof angestellt. War nicht gerade einer der glorreichsten Tage von mir auf dem Schießplatz.
Am Abend zurück auf der Stube, gabs dann noch etwas Unterhaltung, durch ein Spontanen Wettkampf im blinden Zerlegen und Zusammensetzen des G36. Ich hab das ganze auf Video festgehalten und werde versuchen das mal zu veröffentlichen.
Naja kommende Woche gehts erstmal wieder auf ein richtiges Biwak. Pionier-Biwak soll es wohl sein. Wir werden also lernen, wie man allerlei Sperren z.B. mit Stacheldraht aufstellt und auch das Bauen von Dämmen mit Sandsäcken steht auf dem Plan. Wie ich heute Abend auf dem Diensplan gelesen habe werden wir auch den Kampf mit ABC-Ausrüstung üben. Also jetzt nicht der Kampf, den man mit der ABC-Ausrüstung hat, wenn man versucht sie anzulegen, sondern das Kämpfen mit angelegter ABC-Ausrüstung ist gemeint. Es gibt also wieder einiges auf das man in der kommenden Woche gespannt seien kann. Ich denke ich werde diesmal auch mein Handy mitnehmen und versuchen zu Bloggen. Aber wahrscheinlich werde ich zu müde sein. So wie jetzt. Ich mach jetzt Schluss und werde schlafen. Gute Nacht.

Sonntag, 18. Februar 2007

Ich bin tatsächlich lebend zurückgekehrt

Okay okay. So überraschend war das eigentlich nicht ich gebs zu, aber ich dachte das wär der richtige Aufhänger, nach dieser doch länger als geplanten Sendepause. Was mich dann nämlich doch umgehauen hat, war das "Nachbereiten"/ Putzen. Aber dazu später mehr.
Zu aller erst: Das Biwak war klasse. Wo fange ich am besten an es zu beschreiben. Also wir sind mit unseren knapp 30kg Gepäck knapp 7 km zu einem nahegelegenem Berg marschiert, und als wir dort ankamen, haben wir unser Lager aufgebaut. Ganz clever: jeder Soldat trägt ein halbes Zelt mit sich rum (also ne halbe Zeltplane, 5 Heringe bzw. "Erdnägel", und eine Zeltstange.) So können zwei zusammen immer ein Zelt baun. Mit der Person, mit der man dann sein Zelt baut bildet man dann auch eine Art kleine Gruppe. Mit seinem "Partner" zusammen übernimmt man dann div. Dienste. Die da wären: Alarmposten, Streifenposten und Feuerwache. Dann gabs da auch noch ein paar andere Aufträge, die wir übernehmen mussten: Kfz-Wache und Spähtrupp.
Die nervigste Aufgabe, war der Alarmposten, man liegt zwei 1-2 Stunden (je nach Uhrzeit und Temperatur) auf dem kalten Boden und friert. Richtig cool war das nur, wenn mal ein Angriff oder ein feindlicher Spähtrupp kam. Dann darf man die Kameraden alarmieren und schon Mal ein bisschen los "ballern" paar gezielte Schüsse abgeben. Sowieso waren die meist nächtlichen Angriffe das Lustigste. Da hagelte es dann Schüsse und ständig wurde der Himmel und das Gefechtsgebiet von Leuchtmunition erhellt. Das War echt cool.
Die nervigste Aufgabe war die KFZ-Wache. Man soll eine Straße überwachen und alles und jeden, der diese Straße in eine Richtung passiert kontrollieren. Das könnte ganz lustig sein, da es theoretisch zu so netten Sachen wie Personenkontrollen und der Anwendung des "Unmittelbarern Zwangs" kommen kann. Aber wie mein Gruppenführer so schön sagt: "Die meiste Zeit seines Lebens, wartet der Soldat vergebens". Und so seht man einfach nur zwei Stunden in einer Deckung rum. Ich hatte KFZ-Wache am zweiten Tag, von 22-24 Uhr und ich hatte die ganze zwei Nächte insgesamt nur 4 Stunden geschlafen. Und jetzt kommt das Beste: bei der Wache darf man stehen... 2 Stunden. Ich bin beinahe im Stehen eingeschlafen.
Eine ganz cool Aufgabe war eigentlich der Spähtrupp. Man hat einen bestimmten weg, den man abgehen muss mit festgelegten Orten, an dem man beobachten soll, und bestimmten stellen, wo man von anderen Personen die Parole abfragen soll. Zum Schluss kam man dann zum Kompanie Gefechtsstand, der war besetzt durch einen ehemaligen KSKler. Mir wurde bei der Streifen-Einweisung extra mitgeteilt, dass ich den, wenn er die Parole auch beim zweiten Mal nicht weis, sofort erschießen soll. Leider kams nie dazu.. Tja schade.
Soviel erstmal zum Biwag. Hab jetzt natürlich vieles unerwähnt gelassen, z.B. Das essen, oder das morgendliche waschen und rasieren oder wie wir unser Lager aufgebaut haben usw. aber das wäre einfach zu viel für einen Artikel.
Denn ich will nun auch noch darüber berichten, was zur Funkstille die letzte Woche über geführt hat. Nachdem ich nämlich scheinbar gesund und munter am Donnerstag mit meiner Gruppe wieder zurück gekommen war, bin ich dann während der Nachbereitung krank geworden. Bestimmt an die 6-9 Stunden habe ich gebraucht, um den Lehm und Schlamm aus meiner Ausrüstung zu bekommen. Und das war mit Kopfschmerzen ganz und gar nicht spaßig.
Als ich dann am Wochenende zuhause ankam, hab ich mich nur noch ins Bett gehaun und mich ausgeruht. Leider war ich dann am Sonntag immer noch nicht fit und weil man bei der Bundeswehr nicht einfach zuhause bleiben darf wenn man krank ist, bin ich zum nächsten Standortarzt gefahren und hab mich von dem untersuchen lassen. Der hat mich dann direkt für ne Woche dort behalten. Und ich kann wirklich niemandem, der krank und bettlägrig ist empfehlen, das in einer Bettenstation der Bundeswehr aus zu kurieren. Nichts als weiße Wände und die weiße Decke zur Ablenkung, ziemlich unbequeme Betten und auch nicht so überragendes BW-Essen. Nagut, als ich mir von meinen Eltern dann meinem iPod, Mr Handy und was zum lesen hab bringen lassen, da war das ganze dann schon erträglicher. Gefreut hab ich mich dann trotzdem, als ich am Freitag entlassen wurde. Jetzt bin ich noch bis Dienstag KZH (Krank Zuhause) geschrieben.
Das bedeutet leider wohl auch, dass ich direkt auch das nächste Biwak diese Woche (19-22/23.02.) verpasse oder nur teilweise mitbekomme. Sowieso habe ich letzte Woche einige für die Alg. Grundausbildung relevante Unterrichte und Prüfungen wohl verpasst: Sandienst, scharfes Schießen mit dem MG und die praktische Wachausbildung. Ich bin jetzt tierisch gespannt, wann ich das nachholen soll. Nicht das ich am ende die Grundausbildung wiederholen muss...
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus dem Biwak:
Eines Abends, gab es mal wieder alarm, und alle machten sich kampfbereit und aus einem Zelt, in dem gerade einer mit seiner Freundin telefoniert hatte, hörte man nur: "Liebling ich muss jetzt Schluss machen. Ein feindlicher Spähtrupp wurde gesichtet, den wir jetzt eleminieren müssen".